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Argentinien

Argentinien

Das heutige Gebiet Argentiniens dürfte von Menschen bereits 10‘000 Jahre vor Christus entdeckt worden sein. Mit Ausnahme des Nordwestens war das Land aber kaum besiedelt. Dieser gehörte im 13. und 14. Jahrhundert zum Inkareich, dass sich in der Blüte bis nach Mendoza auszudehnen vermochte. 1516 erreichten die Spanier den Rio de la Plata, wo sie irrtümlicherweise grosse Reserven an Edelmetallen vermuteten und sich der Name des Flusses (Silberfluss) ableitet. 1536 gründeten die Conquistadores die Stadt Buenos Aires. In Patagonien gelang es der indigenen Bevölkerung, sich lange Zeit der spanischen Herrschaft zu widersetzen. Da die Gebiete keine vielversprechenden Bodenschätze zu bieten hatten, waren die Invasoren aber auch lange Zeit nicht an den Gebieten interessiert. Inspiriert durch die französische Revolution und den Unabhängigkeitskrieg der USA erlangte Argentinien durch die Mai Revolution 1810 seine Unabhängigkeit. Die neuzeitliche Geschichte gleicht die einer Achterbahnfahrt. In den 70er Jahren noch eine der Top Industrienationen, stürzte Argentinien 2001 in den Staatsbankrott. Die Bevölkerung hat gelernt, sich den wechselnden Bedingungen anzupassen und verfügt daher über eine bemerkenswerte Kreativität.

Weinbau in Argentinien

Ohne Vorarbeit der Inkas, die bereits ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem für Schmelzwasser aus den Anden hinterlassen hatten, wäre wohl keine so rasche Entwicklung des Weinbaus möglich gewesen. Die Ursprünge waren zwar wie in sämtlichen südamerikanischen Ländern durch Missionare gelegt worden, die Verbreitung des Weinbaus in Argentinien war aber hauptsächlich eine laizistische. Somit wurde bereits Ende des 16. Jahrhunderts der Grundstein für den gewerblichen Weinbau gelegt. Die Migrationswelle europäischer Einwanderer im 19. Jahrhundert waren dafür verantwortlich, dass europäische Reben den Weg ins Land fanden und vor allem in Form des Malbec Argentinien eine Spezialität bescherten, für die Argentinien heute weltweit Berühmtheit erlangt hat. Zu jener Zeit schenkte man der Sorte im Südwesten Frankreichs, wo der Malbec seinen Ursprung hat, wenig Beachtung, was sich mit dem Erfolg jedoch ändern sollte. Weitere Spezialitäten hat Argentinien mit Torrontés und Bonarda zu bieten. Die blumige weisse Sorte aus der Region Salta ist eine natürliche Kreuzung aus Criolla Chica (verwandt mit der chilenischen País) und Muskateller und setzt manchem Aperitif rund um den Globus da i Pünktchen auf und darf auch als Argentiniens Geschenk an die asiatische Gastronomie angesehen werden. Bonarda ist ein Zeitzeuge der Migrationswelle aus Norditalien Anfang 20. Jahrhunderts. Die Fachwelt ist sich heute noch nicht 100 % einig über die Ursprünge der Sorte. Eine Theorie verweist auf die savoyardische Sorte Douce Noir, andere Quellen sehen darin Bonarda piemontese, welche keine Verwandtschaft mit dem in der Lombardei verbreiteten „Bonarda del Oltrepó Pavese“ hat. Intensive Gespräche mit argentinischen Winzern und die Migrationsgeschichte lassen aber eher auf die piemontesiche Variante schliessen, die logischer erscheint. Eigentlich spielt es auch keine Rolle, denn Fakt ist, dass Argentinien heute Weltmarktführer in Bonarda ist und die Sorte einfach nur Spass und Glückseligkeit verbreitet.